GEDANKEN ZUM EIDGENÖSSISCHEN DANK-, BUSS- UND BETTAG

Für uns als Christen ist jeder Tag ein Bettag. Für uns als „Eidgenossen“ einmal im Jahr. Es ist ein staatlicher und kirchlicher Feiertag zugleich und erinnert daran, dass es Zeiten gab, in denen sich der Staat ganz selbstverständlich der Kirche bediente, um die Bürger zur Besinnung zu rufen. Diese Zeiten sind eigentlich vorbei – der Bettag ist geblieben.

Dass wir zur Besinnung kommen sollten, das ist nicht vorbei: Wir haben allen Grund dazu. Wir können die Verantwortung für die Finanzkrise oder den Klimawandel und andere Probleme nicht einfach auf „die da oben“ abschieben. Wir haben alle profitiert vom Bankenplatz Schweiz und wir verbrauchen alle zuviel Energie. Wir müssten alle gründlich umdenken und bescheidener werden. In der Kirche nennt man das Busse tun. Das kann man allerdings nicht staatlich verordnen – zumal auf politischer Ebene davon ja auch nur sehr wenig zu spüren ist.

Auch Beten kann man nicht staatlich verordnen.  Man muss es auch nicht, denn die meisten Leute tun es von selbst.  Wenn sie in der Not sind. Manchmal auch, wenn ihnen aus einer Not geholfen worden ist. Vielleicht nicht regelmässig. Aber immer wieder. Jedenfalls ist das Anliegenbuch in unserer Kirche immer sehr schnell vollgeschrieben.

Vielleicht ist der Bettag aber gerade für die, die nicht (mehr) beten, ein Anlass, wieder einmal übers Beten nachzudenken. Einer, der sich zu diesen zählt, wird  im Grossmünster die Predigt halten. Es ist bei uns in den letzten Jahren zu einer Tradition geworden, einmal im Jahr einem Schriftsteller das Wort zu geben und wir schätzen uns glücklich, dass Klaus Merz die Einladung angenommen hat.

Wir wünschen Ihnen einen schönen Spätsommer und freuen uns, Sie nach der langen Sommerpause wiederzusehen – vielleicht am Bettag!

                                                                         Ihr Pfarrer Christoph Sigrist und
                                                                         Ihre Pfarrerin Käthi La Roche